Gut zu Wissen: Warum Frankreich ein guter EE-Markt ist

Manche blicken mit Skepsis auf den EE-Markt in Frankreich. Tatsächlich gewinnt er an Fahrt – und hat großes Potential.

Auch in Frankreich bedeutete das Reaktorunglück von Fukushima einen Wendepunkt. In der Folge beschloss die Regierung, den Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung bis 2025 auf 50 % zu senken. Damit begann – später als in Deutschland – der strukturierte Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Grünes Wachstum per Gesetz

Das „Gesetz für Grünes Wachstum“ aus dem Jahr 2015 legt fest, wie der Anteil der erneuerbaren Ener-gien am Energiemix steigen soll:

  • Schon 2020 sollen mindestens 23 % der Energie nachhaltig erzeugt werden.
  • Im Jahr 2030 sind mindestens 32 % geplant.
  • Für 2050 legt das Gesetz die Zielmarke auf einen Anteil von mindestens 40 %.

Laut Angaben des verantwortlichen Ministeriums betrug der Anteil Erneuerbaren am Energiemix 2016 etwa 16 %. Damit blieb er hinter dem avisierten Wachstum zurück. Kein Wunder, in einem auf Kernkraft ausgerichteten Energiemarkt (heute decken Kernkraftwerke noch immer 75 % Prozent des Strombedarfs) entwickeln sich stabile Infrastrukturen für Wind-, Solarenergie und Biomasse nicht von heute auf morgen. Dezentrale Erzeugungsmodelle mussten in einem traditionell zentralistisch ausgerichteten Staat erst ihren Platz finden.

Diese Aufgabe hat die Politik erfolgreich angepackt und stabile Rahmenbedingungen entwickelt. Mehr noch, die „autorisation  environnementale “ ist ein Beispiel dafür, dass man nicht nur zuverlässig, sondern auch attraktiv sein möchte. Die „autorisation environnementale“ vereinfacht den Genehmigungsprozess, der zuvor als umständlich und langwierig galt. Auch die in diesem Jahr beschlossene teilweise Übernahme der Netzanschlusskosten für EE-Anlagen (hier unsere Nachricht dazu) gehört zu den vielen Belegen eines EE-freundlichen politischen Klimas. Inzwischen haben sich auf Initiative der Regie-rung Beratungskommissionen für die verschiedenen Energieformen gebildet (auch darüber haben wir berichtet). Auch allgemein bemüht man sich um unternehmensfreundliche Bedingungen, z.B. durch die schrittweisen Senkung der Körperschaftsteuer bis 2022 auf 25 %.

Warum wird also vor einem Engagement in Frankreich gewarnt?

Natürlich weht der Gegenwind auch jenseits des Rheins. Auch hier formiert sich vor Ort die Opposition gegen Wind- oder Biogasprojekte. Sie wird zusätzlich verstärkt durch den Widerstand gegen den allge-meinen Reformkurs der Regierung. Vor allem Genehmigungen im Bereich Windenergie werden angefochten. Die Erfolgsquote der Projektgegner vor Gericht ist allerdings am Ende gering. Wie ein wegweisendes Urteil aus dem Jahr 2017 zeigt, haben Genehmigung, die auf einer soliden Projektentwicklung basieren und den gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechen, die besten Aussichten bestandskräftig zu bleiben.

Ein weiterer Grund für die Skepsis entspringt der ungewohnten Entschlossenheit, mit der die Kontrover-se in Frankreich ausgefochten wird. Selbst der Figaro widmete kürzlich dem Widerstand gegen die Windenergie einen Artikel. Allerdings dürfte die Tatsache, dass die Bürgerschaft gewonnen werden will, Projektverantwortliche weder in Deutschland noch in Frankreich überraschen. Erfolgreiche Beispiele für formelle und finanzielle Beteiligungskonzepte gibt es in beiden Ländern.

Fazit

Der französische EE-Markt hat Potential:

  • Geringe installierte Leistung: Die installierte Leistung im Bereich Windenergie zum Beispiel beträgt in Frankreich etwa ein Viertel des deutschen Wertes.
  • Feste Ausbauziele: In den nächsten 5 Jahren soll sich allein die Zahl der Onshore-Windenergieanlagen verdoppeln. Bis 2023 ist die Installation von Methanisierungsanlagen mit einer Gesamtleistung von mindestens 237 MW geplant.
  • Gute Planbarkeit: Die rechtlichen Grundlagen stehen – und sie halten Widersprüchen stand.

Das müssen Interessenten mitbringen:

  • Geduld: In Frankreich dauern die Projekte etwa 1-2 Jahre länger. Gute Planung sorgt dafür, dass der Zeitraum überschaubar bleibt.
  • Die Bereitschaft sich anzupassen: Die Planungsroutine und auch die Konfliktstrategien sind nicht unbedingt übertragbar. Auch in Frankreich ist es wichtig, vor Ort präsent zu sein.
  • Einen erfahrenen Projektbegleiter: Ein markterfahrener Begleiter weiß, wo die Fettnäpfchen verborgen sind – und der Gewinn.

Ihr Ansprechpartner: Markus Jenne


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