Standortbestimmung: Biogasmarkt in Frankreich

Wieviel Potential steckt tatsächlich im französischen Biogas-Markt? 3 Antworten von Marion Evers

Frau Evers, zum Thema Biogas in Frankreich hhört man widersprüchliche Meinungen. Die einen ermutigen Unternehmen, sich in Frankreich zu engagieren. Andere finden die Marktbedingungen jenseits der Grenze viel zu kompliziert. Sie haben sich mit dem französischen Biogasmarkt beschäftigt. Was denken Sie?

Marion Evers: In gewisser Hinsicht ist die Skepsis berechtigt. Frankreich unterscheidet sich von Deutschland nicht nur in der Sprache. Wenn ich mit potentiellen Interessenten spreche, spüre ich grundsätzliche Vorbehalte auch wegen der der kulturellen Unterschiede. Die gibt es tatsächlich. Man muss sich darauf einstellen – auch auf ungewohnte Genehmigungsprozeduren. Frankreich, unser unmittelbarer Nachbar, liegt uns aber in jeder Hinsicht näher als Brasilien oder China. Darum wundere ich mich über die Skepsis von Investoren und Projektentwicklern. Schließlich gibt es Fachleute, die einen beim Markteintritt unterstützen.

Warum sollte die Branche über ein Engagement nachdenken?

M.E.: Der wichtigste Grund sind die ambitionierten Ausbauziele vor dem Hintergrund einer hohen Investitionsbereitschaft. Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Biomethanproduktion. Sie soll bis Ende 2023 8 TW erreichen. 2017 produzierte man gerade einmal 0,4 TW. Auch in anderen Bereichen sind die Ziele hoch gesteckt. Auf den ersten Blick denkt man: „Das ist gar nicht zu schaffen.“ Und dann sieht man, wie viele Projekte in der Pipeline stecken, und denkt: Das kann tatsächlich klappen. Auch dank eines politischen Klimas, das den Ausbau der Bioenergie fördert. In den letzten Jahren hat die Regierung entsprechende Grundlagen geschaffen.

Was charakterisiert die Biogas-Landschaft in Frankreich?

M.E.: „Landschaft“ ist ein gutes Stichwort. Die Branche ist landwirtschaftlich geprägt. Dementsprechend gibt es sehr viele kleine Biogasanlagen, die von den Landwirten selbst betrieben werden. Sie stehen für 30 % der gesamten Nennleistung, aber für 60 % der bestehenden Anlagen. In den nächsten Jahren wird hier der meiste Zuwachs erwartet. Gerade deutsche Unternehmen haben die technische und organisatorische Expertise, um dabei erfolgreich mitzumischen.

Marion Evers ist Betriebswirtin (VWA) und Fördermittelberaterin (VÖB). Nach langjährigen Erfahrungen in deutsch-französischen Unternehmen untersucht sie nun den französischen Biogasmarkt. Im Frühjahr können Sie die Ergebnisse bei uns bestellen.


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